Grenzwerterfahrung

Grenzwerterfahrung

MOLOKO PLUS

Was´n das? He, ihr Landauer, sagt mir gefälligst was auf dem Cover zu sehen ist! Ok, so viel dazu, Stressfaktor kannte ich bis jetzt gar nicht, hab erst so an Brachialcrust gedacht, harharhar. Zu hören gibt es allerdings Hardcorepunk, der, haltet mich für bekloppt, an Rawside meets Boxhamsters erinnert, mit überwiegend deutschen Lyrics, die es teilweise echt in sich haben. Wenn ich mir so „Vermint“, oder „Heinz“ durchlese ist das schon ganz harter Tobak. Schön ist auch, dass das Quotenmädel nicht wie so oft zum Bass verdonnert wurde, sondern über sechs Saiten herrschen darf. Stressfaktor kommen insgesamt sehr sympathisch rüber und heben sich wohltuend von den ganzen Möchtegernrockstars ab.

DER GESTRECKTE MITTELFINGER

Stressfaktor sind auch schon ein paar Jährschen unterwegs. Hier nun ihr neuster Longplayer. Geboten wird HC-Punk, der es schafft musikalisch an Rawside zu erinnern, textlich aber wesentlich komplexer und vielschichtiger daherzukommen. HC-Punk, der es schafft Wut mit klasse Texten, ohne Parlengedresche zu kombinieren. Schöne CD!

Punkrock!

Ssssssso, fertig gewartet. Erster Longplayer endlich draußen. Nach ewig vielen Sampler-Beiträgen und drei tollen 7“es zwischen 1999 und 2001 ist es jetzt nach langer Wartezeit also doch mal so weit. Punkcore nennen sie es selbst, ich sage Hardcore-Punk dazu. Schnell und wütend, guter Krach, rotziger Gesang, fetter Sound. Und die Landauer haben anscheinend auch viel geübt. Im Vergleich zu früher deutlich mehr Virtuosität. Mehr Melodien, mehr Breaks. Und wieder ein Beweis, dass deutsche Texte nicht peinlich, pathetisch, parolenhaft sein müssen. Aufgenommen wurde die CD übrigens im eigenen Proberaum mit angeschlossenem Studio. Das verleiht dem Ganzen jetzt zwar keinen HighEnd-Schnickschnack, aber dafür einen nicht unerheblichen Haufen Authenzität. Und Elektrizität. Dass die CD mit „Grenzwerterfahrung“ betitelt ist, steht übrigens nirgends drauf, aber das Problem kennen wir ja schon von der „Unter Tag“-7“. Mal wieder vergessen? Ach ja, das Cover ist zu dunkel. Ansonsten prima Torte.

OX#59

Vom Deutschpunk der frühen Tage hat sich die Band aus Landau längst verabschiedet. Wer bei dem Bandnamen also an “Uffta-Uffta” denkt, hat sich geschnitten: Die fünf Herren und eine Dame machen wütenden Hardcore-Punk, der bei einem englischen Namen eine ganz andere Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Textlich geht es meist düster zur Sache, behandeln die Stücke gelegentlich verunsicherte Menschen, werden Geschichten vom Durchdrehen erzählt. Beim Stück “Die Welt gehört uns” kommen bei entsprechenden Antifa-Texten die alten Deutschpunk-Wurzeln zum Vorschein, ansonsten ist die Band alles andere als “typisch”. Als kritisch empfinde ich höchstens, dass die Energie, die auf der Bühne rüberkommt, auf der Platte unter der Produktion verbuddelt wird – trotzdem das ganze kracht anständig. 7 von 10

Enpunkt#42

Die Band, deren Mitglieder ich seit Jahr und Tag zumindest teilweise kenne, hat mir früher nicht gefallen; das war halt diese Art von Deutschpunk, die sehr authentisch und echt ist, bei der ich halt auf Durchzug schalte, weil ich das in den letzten zwanzig Jahren zu oft gehört habe. Beim letzten Auftritt der Band fiel mir aber schon auf, wie sehr sie sich verändert hat – und das lässt sich jetzt bei der ersten CD nachvollziehen. Die Platte heißt schlicht “Stressfaktor”, und sie enthält ruppigen Hardcore-Punk mit deutschen Texten. Wären die Texte englischsprachig und käme die Band aus den Vereinigten Staaten, würde man sie wohl in den einschlägigen Fanzines abfeiern – so wird sie aufgrund ihrer Texte weiterhin im Deutschpunk-Umfeld angesiedelt sein. Was so schlimm ja nicht ist … Mittlerweile hat die Band an Eigenständigkeit gewonnen; die Texte sind nach wie vor direkt, und die Musik knallt gut nach vorne. Das hat was, und das macht Spass – es wird Zeit, dass die Band auch außerhalb der Südpfalz wahrgenommen wird!

Plastic Bomb#51

Da haben die Stressfaktoren ja einen ganz schön fetten Sound bekommen. Das Ganze orientiert sich Schritt für Schritt vom Deutschpunk weg zum brachialen Hardcore-punk a la ACK oder Rawside, na ja…letztere sollten eher nur am Rand als Vergleich herbeigezerrt werden. Vielleicht hätte man ab und zu mal ein Break weglassen können. Denn die Platte ist zwar abwechslungsreich, aber auch etwas zu vertrackt und zerfahren. Ist einfach zu überfrachtet mit dem Drang nach maximaler Abwechslung. Aber die 15 Songs krachen und sind eine klare musikalische Weiterentwicklung. Wobei das Wort Weiterentwicklung nicht gleichbedeutend damit ist, dass sie mir jetzt besser gefallen. Das Cover ist entschieden zu dunkel und düster geworden. Alles in allem ist das ne CD mit Licht und Schatten.